SV Moßbach e.V.

Derbykrimi bis zum Abpfiff

Mario Streit, 03.08.2019

Derbykrimi bis zum Abpfiff

Zweite Minute, Felix Neupert kneift die Augen zu, Florian Aschenbrenner rauft sich die Haare: eine Hunderprozentige landete gerade weit neben dem Pfosten.

 

Moßbach bietet dem Favoriten über das gesamte Spiel Paroli  

FSV Schleiz - SV Moßbach 1:0 (0:0) 

Schleiz. Dritte Minute der Nachspielzeit. Ecke Schleiz. Kopfball Nukovic. Tor - das alles Entscheidende! Schleizer Spieler und den Platz stürmende Fans in Ekstase. Als wäre der Aufstieg bereits heute perfekt. Wenige Meter neben der Moßbacher Trainerbank. Dort ist alles am Boden zerstört. Bitter, den entscheidenden Treffer so kurz vor Ultimo einstecken zu müssen.

Doch nach einem tiefen Durschnaufen wurde auch den Unterlegenen klar: wir können auch Landesklasse! Kaum einer setzte nur einen Pfifferling auf die Herzog-Elf. Immer wieder war vor dem Spiel zu hören: 'Das wird eine Niederlage, die sich gewaschen hat. Debakel. Euer Torwart wird wunde Hände haben.' Selbst Jens Herzog stand in der Schaar der Skeptiker. Doch es kam anders. Der Aufsteiger bot dem Titelaspiranten über das gesamte Spiel einen großen Fight, ließ ihn bis zum Schluß um die Punkte zittern. Da war es wieder, das alte brisante Derby, das die Massen anzog. Weit über 500 waren da. Ein Rekord, der wohl von keinem anderen Saisonspiel noch getoppt werden wird.

Moßbachs Trainer hatte seine Jungs gut eingestellt. Bereits nach drei Minuten hätte es 2:0 stehen können. Neupert, steil geschickt, frei durch, schoß aus fünf Metern zwei Meter daneben (2.) und Wunderlichs Schrägschuß zischte nur haarscharf über den Kasten. Die Gastgeber brauchten einige Zeit, um sich zu sortieren. Ein geordneter Spielaufbau war dank des Einsatzes der Gäste nicht möglich. Die erste verheißungsvolle Aktion der Gastgeber beschwörte Nietsch herauf, der in den Torraum zog, quer legte. Rocktäschel war zur Stelle, beförderte das Leder in höchster Not ins Toraus (12.). Nach Neuperts schönem Zuspiel, zog Aschenbrenner aus der Distanz ab, aber auch über den Kasten (21.). In der letzten Viertelstunde vor der Pause erhöhte Schleiz den Druck, fand aber weiter kein Rezept, die Defensive der Gäste zu knacken.

Halbzeitpfiff. Moßbachs Keeper Lange bis hierher beschäftigungslos.

Das änderte sich mit Wiederanpfiff. Schleiz wollte endlich die Kräfteverhältnisse gerade rücken, zeigen wer Herr im Hause ist. Ging Gerischs Kopfball noch über das Gebälk (47.), so mußte Lange bei Kühnels Schuß sein ganzes Können aufbieten (51.), wie auch Grau, der Hoyers Schuß noch von der Linie schlug (52.). Nach diesem Anfangsfeuerwerk zeigten sich auch die Gäste wieder. Keeper Hebenstreit und seine Abwehrleute verfehlten einen Eckstoß, der Ball fand Wunderlich am langen Pfosten, bei dessen Schuß aus Nahdistanz aber Stankowski im Wege stand (60.). Dann auf der Gegenseite das Duell Gerisch - Lange. Erst holte sich Moßbachs Torwart einen Kopfball (61.), dann parierte er einen Schuß des Torjägers mit starker Fußabwehr (67.). In beiden Teams machte sich zunehmend der Kräfteverschleiß bemerkbar. Das steigerte Spannung und Nervosität auf der Bank und den Zuschauerrängen. Mit einem tollen Reflex bei Wunderlichs Schrägschuß verhinderte Hebenstreit die Gästeführung (75.) und Liebold, stärkster Schleizer an diesem Tag, versagten wie bereits Moßbachs Neupert zum Spielbeginn die Nerven, als er freistehend nur neben den Pfosten schoß (76.). Die nächste dicke Möglichkeit dann wieder auf Gästeseite, als sich Aschenbrenner von der Seitenlinie versuchte und Hebenstreit den Ball gerade noch aus den Winkel fischte (83.). Die Spannung auf dem Platz knisterte weiter bis in die Schlußminuten, in denen sich die Herzog-Elf, den einen Punkt im Visier, weit zurückzog und schließlich doch die am Ende undankbare Niederlage bezog.

Die rote Karte, die sich Florian Aschenbrenner noch vom souverän leitenden Schiri Nick Schubert abholte, macht die Situation für die ohnehin derzeit dünne Personaldecke nicht einfacher. Leider brach bei Meyer im Spiel eine alte Adduktorenverletzung wieder auf, konnte Welsche nach dem Warmmachen gar nicht erst auflaufen, Pribitny im Urlaub, Jäger mit gebrochenem Fuß und Pasold noch im Wiederaufbau - sechs potentielle Stammspieler, die Trainer Herzog bereits zu Saisonbeginn schmerzlich fehlen.

Trotz der Niederlage zog Jens Herzog ein positives Fazit: "Ich denke, wir konnten uns heute einigen Respekt erarbeiten. Bereits das 0:0 zur Pause war für mich ein Teilerfolg, obwohl wir da hätten sogar führen müssen. Mein Konzept, die Schleizer nicht ins Spiel kommen zu lassen, ging über weite Strecken auf. Der Ausgang ist extrem schade, da das Chancenverhältnis aus meiner Sicht ausgeglichen war. Wir sind auf einem guten Weg."

Mario Streit