SV Moßbach e.V.

Großer Derbyfight bleibt unbelohnt

Mario Streit, 10.11.2019

Großer Derbyfight bleibt unbelohnt

Nach seinem temposcharfen Antritt von der Mittellinie wird Felix Neupert im Strafraum von Neustadts Bernhard Grimm gestoppt. Der trifft Ball aber auch Gegner. Der umsichtig leitende Dirk Läsker ließ  deshalb keine Zweifel zu und zeigte folgerichtig auf den Punkt.

 

Neustadt erobert nach dem prestigeträchtigen Sieg die Tabellenspitze 

SV Blau Weiß 90 Neustadt/O - SV Moßbach 4:1 (1:1) 

Neustadt/O. Es war das Spiel, dass sich viele erhofft hatten, das von Derbyfight und von Spannung lebte. Bis zur Schlußviertelstunde war der Ausgang noch völlig offen und erst Englers Treffer, der eine Flanke von links am langen Pfosten unbedrängt einnickte, sorgte für die Vorentscheidung zugunsten der favorisierten Neustädter.

Jens Herzog, der diesmal auf Stephan Wunderlich wegen seiner fünfte Gelben verzichten musste, auch Nitschke und Kraus fehlten, war nach dem Spiel zwar nicht am Boden zerstört, dennoch haderte er mit Pribitnys Riesenchance in der ersten Minute, als der das Leder freistehend an Keeper Naujoks, aber auch am Tor vorbei hob: "Das wäre der Auftakt nach Maß für uns gewesen". Doch stattdessen das 1:0 in einer denkbar ungünstigen Situation. Timo Grau konnte nicht mehr weiterspielen: "Ich hatte schon beim Aufwärmen gemerkt, dass mit meiner Leiste etwas nicht stimmt". Ausgerechnet Moßbachs so eminent wichtigen Abwehrchef stoppte in seinem Derby eine Verletzung. Die Gastgeber nutzten die kurzzeitige Überzahl und die Unsortiertheit in der Abwehr und sorgten durch Käpnick für das schnelle 1:0 (6.). Doch von Wirkungstreffer für die Herzog-Elf keine Spur. Mit großem Einsatz hielten sie dagegen und gestatteten dem Favoriten keinen geordneten Spielaufbau. Dennoch fast das 2:0 als Engler schön auf Käpnick durchsteckte, der freistehend an Lange scheiterte (16.). Die Gäste, die es immer wieder mit schnellen Gegenzügen versuchten, kamen zu guten Ausgleichschancen. Heynes gut getretener Freistoß aus 25 Metern strich haarscharf am Pfosten vorbei (22.) und nach Pribitnys starkem Solo über links, verfehlte Aschenbrenner in der Mitte die Eingabe (24.). Dann half der Pfosten den Neustädtern, als Thümmel nach einer Ecke aufs Tor köpfte (27.). Auf der Gegenseite zog Badermann auf der linken Seite durch. Seine scharfe Eingabe, an die kein Neustädter mehr herankam, verfehlte knapp den langen Pfosten (30.). Und nachdem Neupert mit einem dynamischen Antritt von der Mittellinie erst im Strafraum von Grimm gestoppt werden konnte, zeigte Schiedsrichter Läsker auf den Punkt. Heyne verwandelte eiskalt zur 1:1-Pausenführung.

Noch keine zehn Minuten nach Wiederanpfiff waren gespielt, da war der Favorit wieder in der Vorderhand. Cypionka nahm das Leder sehenswert aus der Luft und hämmerte es unhaltbar zum 2:1 in die Maschen. Die Gäste protestierten vehement, da der Ball vorher per Abpraller vom Oberarm eines Neustädters zum Schützen gekommen war. Da Köln sich nicht meldete, zählte der Treffer. Das Spiel wurde jetzt mehr und mehr zum Schlagabtausch. Moßbach ging nun mehr Risiko. Das schaffte Platz für die Gastgeber. Erst verpasste Kern ganz knapp (58.), dann schoß Engler nach Badermanns perfekter Vorarbeit freistehend vorbei (65.). Aber auch Neupert hatte den Ausgleich auf dem Fuß, als er nach Heynes Freistoß das Spielgerät unbedrängt in die Wolken drosch (70.). Nachdem dann Engler eine Flanke am langen Pfosten ungehindert zum 3:1 in die Maschen köpfen konnte (74.) schien das Spiel endlich den von den Gastgebern erwarteten Lauf zu nehmen. Plietzsch hätte es wieder spannend machen können, doch vom Strafraumzentrum hob er den Ball etwas zu lässig am Tor vorbei (77.).

Den sprichwörtlichen Deckel drauf machten die Gastgeber wiederum durch Engler, der einen Elfer im zweiten Versuch im Tor unterbrachte, nachdem zuvor Lange Badermann von den Beinen geholt hatte (87.). Noch zweimal lud Schiedsrichter Läßker zum Schießen vom Punkt, doch sowohl Moßbachs Heyne (89.), als auch Neustadts Szalek (90.+1) versagten die Nerven.

Am Ende blieb ein 4:1, das Trainer Herzog als "viel zu hoch und dem Spielverlauf nicht angemessen" einschätzte. "Dennoch Glückwunsch an die Neustädter zum Sieg und zur Tabellenführung. Die Niederlage wird uns keinesfalls umwerfen. Vielleicht ist das Glück im letzten Hinrundenspiel gegen die wiedererstarkten Lobensteiner wieder auf unserer Seite."

Das Derby hielt am Ende, was es versprach. Einsatz, Kämpfen bis zum Umfallen, Emotionen auf und neben dem Platz und Spannung fast bis zum Schluß. All das gab es gestern in Neustadt. Keiner der 357 Zuschauer, an einem Sonntag wären es vielleicht doppelt so viel geworden, musste sein Kommen bereuen. Auch nicht die gut zwanzig Isserstedter, die in der zweiten Hälfte die Moßbacher unterstützten.

Mario Streit